Singer und kein Ende

Manhce Menschen verfolgen mich, ihre Thesen tauchen immer wieder auf, auch noch nach Jahren. So geht es mir mit dem umstrittenen australischen Philosophen Peter Singer, in den achzigern im Ethik-Unterricht wurden wir mit Auszügen aus seinem Werk konfrontiert. Singer war damals wie heute hochumstritten. Er wurde von Konferenzen ausgeladen aufgrund seiner Thesen zur Euthanasie, dem guten Tode, den er auch unter bestimmten Umständen für Schwerstbehinderte Neugeborene befürwortet. Jetztt werde ich wieder an Singer erinnert, durch die Preisverleihung der Giordano Bruno STiftung. Singer wird hier hauptäschlich für sein Engagement für Tierrechte im “Great Ape Project” geehrt, das läßt mich jedoch wieder verstärkt an seine anderen Aussagen denken.

Was spricht Singer in mir an, als behinderte Frau, die sich für Philosophie interessiert, als mündige Bürgerin der Welt?

Singer ist Utilitarist, dass waren grundsätzlich diejenigen Philosophen,
die den Nutzen aller im Mittelpunkt sahen. Bei Singer geht es in seiner
Ethik um Interessen. Nach seiner Logik kann nur ein Wesen, welches
sowohl über Beuwßtsein, als auch über selbstbewußtsein verfügt, wirklich Interessen haben. Ein Wesen, welches über bewußtsein und selbstbewußtsein verfügt, nennt er “Person”. Alle anderen Wesen sind — so wie ich es verstehe — darauf angewiesen, dass andere Wesen annahmen über ihre Interessen machen.

Doch berechtigt uns die Tatsache, dass wir Menschen Personen sind und Annahmen über andere Wesen machen können, auch dazu, neugeborene Kinder, die unserer Meinung nach nie eigene Interessen entwickeln würden, zu töten? Können wir überhaupt abschätzen, welches positive oder negative Potenzial ein werdendes Leben hat und ob es nicht doch irgendwann Interessen entwickelt?

Als ich im Brutkasten lag und dort auch blind wurde, wurde ich mit einigen Zusatzdiagnosen entlassen, eine davon war Wasserkopf, auch wuren Löcher im Herz- oder Lungenbereich vermutet. Beides erwies sich als unwahr. Wie sich wohl meine Eltern entschieden hätten, wenn sie die Möglichkeit gehabt hätten, mich nicht länger mit dem weiterleben zu qulen, ich weiß es nicht.

Was hat das nun mit Singer zu tun? Ich frage mich, ob ein Ethiker, der “praktische Philosophie” betreibt, nicht auch die Aufgabe hat, seine Theorieen auf praktische Umsetzung zu prüfen? Wenn Singer sich für eine Tötungserlaubnis für Neugeborene unter bestimmten Umständen ausspricht, hat er dann die unvollkommenen Ärzte und die unvollkommenen Eltern im Blick oder geht es ihm um seine schöne Theorie?

In einer Zeit, in der Behinderte oft gegen Barrieren in den Köpfen ankämpfen müssen, sind Singers thesen gefährlich. Sind sie doch Wasser auf die Mühlen derjenigen, die sich gar nicht vorstellen können, dass ein behindertes Leben Lebensqualität besitzt.

Tun wir als Menschen in diesem Fall nicht besser daran, uns bewußt Einzuschränken und das Leben zu achten, weil wir eben nicht wissen können, wohin es sich entwickeln wird?

Langeweile

Oh, wie lang kann eine Weile sein?
Die Zeit tropft dahin,
wenn man nicht wüßte, dass sie vergeht,
würde man meinen, sie steht.

Oh, Wie still kann doch die Stille sein?
Kein Ton erklingt, den man nicht selbst gewählt.
Wenn man nicht wüßte, sie geht vorbei,
so meinte man, es wäre schon die Ewigkeit.

Oh, wie Einsam kann die Einsamkeit wohl sein?
Der Ruf verklingt, für immer ungehört.
Wenn mann nicht wüßte, es gibt noch andere Wesn auf der Welt,
könnte man meinen, man sei allein.

Oh, wie kurz kann eine Weile sein?
Diese Zeilen gerade mal geschrieben
und da sieht man, dass die Zeit der langen Weile doch vergeht,
und begreift, dass nichts auf dieser Welt besteht,
und doch alles, alles, weiter geht.

Statement

Entscheidend ist nicht, was wir sehen,
sondern wie wir es sehen und was wir damit tun.

Dabei handeln wir im Ausdruck der Geanken,
in unseren Beziehungen zu anderen Menschen, zur Natur und Umwelt
und im Erschaffen neuer Dinge und Ideeen.

Das wichtigste jedoch ist, dass Gedanken, Gefühle, Beobachtungen
Gelegenheit bekommen, sich auszudrücken
und so zur Tat zu werden.

In between

(Ich hatte das Bedrfnis, diesen Text in einer Fremdsprache zu schreiben.)

(I felt the need to write this in a foreign language. ..)

Identity feels like a hole
I am falling, deep and deeper,
I see the pictures changing while I fall.

Is it the bloody fields of Kosovo
or the hills near the Macedonian border where my father was born?
The peaceful Bosnian village where my mother spent her youth?
Is it the German factories that gave my parents money or the long nights they
spent pouring drinks to customers?
Is it the dull classroom of my first years at school and our old flat with
the coal furnace in cold winter?
Is it sitting, singing and talking of a bettter world to come while feeling
in our hearts that we couldn’t really change it?
Or is it writing texts nobody cares that anyone ever wrote them?

Maybe it’s my dreams of a better future.
Maybe it’s my visions I dare not tell anyone, maybe i’s all of that and
nothing.
It’s just me, hanging in between cultures, nations, beliefs ..
They all mean a little something,
but where is my place?

Achtsame Geister

Heute Morgen hörte ich im RAdio, dass ein hoher Politiker uns auffordert,
achtsam miteinander umzugehen. Ist wohl ein Modewort, dieses achtsam und
jeder versteht es so, wie er gern möchte.

Achtsam — wie ich es verstehe — heißt erst einmal, so wertfrei wie
möglich wahrzunehmen, was um mich herum geschieht oder auch nicht. Achtsam
sein heißt für mich auch, auf Geister zu achten, die unaus- und
-angesprochen durch unser Bewußtes und Unbewußtes geistern.

Und es begegnete mir beim achtsam sein ein besonderer Geist, er
meinte, er hieße Behinderung und fühle sich unverstanden. “Warum?, fragte
ich ihn. “Nun ja, da hab ich gedacht, ich tauche mal verstärkt bei
Politikern auf, vielleicht redet ja dann mal einer von denen wirklich mit
mir, aber nichts isst geschehen, sie behandeln mich, wie ein Kind, für das
man sich schämen muß. sie weisen mir die hintersten Plätze zu, am liebsten
sehen sie mich gar nicht. Sie lassen mich nicht ausreden und kümmern sich
nicht darum, ob jemand mir zuhört, sie hören mir nicht mal selbst richtig
zu, sondern nur halb.”

“Hm, da kann ich Dir wohl nicht wirklich helfen, oder?” “Doch, erzähle von
mir. Von meinen Wünschen und Bedürfnissen, aber auch von meinen vielen
Verkleidungen, meinen unendlichen Möglichkeiten. Du glaubst gar nicht, wie
kreativ ich bin. Ich kann unendlich viele Körperteile weglassen oder nur
eingeschränkt funktionieren lassen und ich lebe einfach weiter. Das macht
mir richtig viel Spass, jeden tag anders aufzutreten, jeden Tag anders
begabt, aber auch anders benachteiligt zu sein. Täglich kann ich mit
anderen Sinnen und Teilen besondere Fähigkeiten entwickeln, kann ganz neue
Aspekte beobachten, weil ich durch das Fehlen mancher Teile meine
Aufmerksamkeit ganz anders auf Dinge richten muß, um zu überleben. Es ist
zwar manchmal auch etwas anstrengend, weil die Menschen es wohl mit der
Kommunikation nicht immer wirklich haben, doch grundsätzcih ist das Leben
hochspannend.”

“Warum hast Du diese Form gewählt?” “Nun ja, Jeder will auch bei uns in der
Geisterwelt höher, schneller weiter, stärker. Die Rollen sind immer schnell
besetzt und es herrscht ein fürchterlicher Konkurenzdruck. Ich habe was
gesucht, das nicht so häufig vorkommt, aber eben dennoch flexibel ist.
Deshalb wollte ich mich ja auch nicht in etwas mit stetigen Eigenschaften
verwandeln. Habe mich bewusst für ein Leben entschieden, in dem ich mich
immer verändern kann und zwar so, dass jeder es mitbekommt. So wird mir
gewiss nie langweilig.” “Bist Du also zum Spass haben hier, nur, damit Dir
nie langweilig wird?” “Naja, bei uns Geistern trennt man Beruf und Freizeit
nicht so. Natürlich habe ich viel
Spass, doch ich habe auch die Aufgabe bekommen, den Menschen ein maximales
Lernfeld zu bieten. Das ist heute besonders wichtig, denn Kommunikation ist
ihre Chance, auf dieser Welt, die immer verwickelter wird, auch in Zukunft
gut zurecht zu kommen. Bitte sag ihnen das.”

Mit diesen Worten vershcwand er. und wo er gewesen war, ist nur noch die
Erinnerung und der Auftrag, zu erzählen.

Staunen

Ich nehme meine Hand, führe sie langsam zu Deiner, berühre sacht Deinen
Finger.
Ich fühle die Wrme der Haut, ungleichmäßige Rillen, ein wenig schorf,
darunter feine Knochen.
Was für ein Meisterwerk doch so ein Finger ist.

Ich streiche an Deiner Hand entlang, fühle unter der Haut Muskel und
Knochen, wie sie zusammenhalten, damit Du eine Hand hast.
Ich staune.
Meine Hand gleitet höher, den schmalen Arm hinauf, den ich beugen und
strecken kann, da sind Gelenke und Sehnen, ich bin fasziniert.

Ich kome an Deiner Schulter an, jenem stück, auf dem manche die ganze Welt
tragen und nicht fallen, ich bin überwältigt.

Du bist ein Mensch, Dein Körper hat sich entwickelt, ähnlich dem meinen.

Wir sind auf dieser Erde, voller Menschen und Dinge, die mit uns sind, die
immer schon da waren, und irgendwie leben wir.
Warum, weiß niemand so genau.
Da bleibt nur staunen.

Hoffnungsbild

Ich male Dir ein Bild mir Worten, so gut ich es kann.

Da steht ein Fels am Meeresrand,
sie liegt auf ihm, dem warmen Stein,
er umhüllt sie, sie schlägt Wurzeln.
Der Wind weht über sie, streicht über die Haut.
Salzwassertropfen landen auf ihrer Zunge, sie räkelt sich auf dem warmen
sTein, fühlt sich wohl in seiner geborgenheit, hört dem Meer zu.

Da hebt sich er sTein und fällt mit ihr, nimmt sie mit auf dne Meeresgrund.
Sie spürt das Salzwasser, wie es sie umspült, sie langsam auflöst, sie ist
traurig.
Doch dann erahnt sie, dass sie immer noch da ist.
Sie findet sich wieder in jedem Wassertropfen, im ganzen Mer,
auf der ganzen Welt, in jedem Ding. Sie freut sich mit allen Dingen und ist
voller Hoffnung.

wasserlicht

licht fühlt sich an wie Wasser, wenn die Hand über die Oberfläche streicht,
ohne wirklich zu berühren.
Ich kann hindurchgreifen,
Es ist klar, Warm, manchmal kalt.

Wo es nicht ist, ist sinnleeres Dunkel.
Wo Licht ist, ist die Welt voller Sinn und Sinnlichkeit,

Ich stehe im Licht und schaue zurück auf dnunkle Tage, freue mich auf neue,
lichtdurchflutete Zeit.
Die Menschen um mich herum sind Figuren aus Licht und Dunkel, ab und an
schälen sich Farben hervor.

Ihr Lichtpunkte, wartet kurz, damit ich mich in Euch sehen kann.
denn nur Ihr spiegelt mich, wenn wir uns begegnen.
Denn nur durch Euch erkenne ich mich selbst.

Sprache der Stille

Das Schweigen spricht zu mir, erst flüsternd:
“Wo bist Du?”
Es fragt nach
“Wo kommst Du her?”
und es bohrt:
“wo willst Du hin?”

Durchbohrt stehe ich da,
warte auf das finale Urteil über mich,
mein Streben, mein Sein.

Doch da höre ich in weiter Ferne einen stillen, leisen klang.
Ein Lied, so alt wie die Welt und doch älter
immer gesungen, selten gehört.
Es Singt vom Leben, vom Sterben und neu geboren werden
und ich staune und lausche dem Klang der Stille in mir.

Streitklang

Streit entsteht wenn
mindestestens zwei Menschen es schaffen,
einander nicht zuzuhören.
Kommt dann noch ein dritter hinzu, wird der Lärm nur gößrer.
Ab der Vierten klingt es dissonant, man versteht kein Wort.
Und was ein vierstimmiger Choral war, tönt wie Kreissäge, Sirene und
schlammpfütze zusammen.

Streit geht wieder
wenn diese Menschen beginnen, auf die Töne der Anderen zu hören
und die Stimmen wieder anfangen, zu singen, statt ungewollt Klänge zu erzeugen.
Manchmal singt erst nur einer und alle hören zu und schweigen.
Manchmal schweigen alle kurz und finden von selbst ihre Einsätze.
Manchmal klingt die Kakophonie noch lange nach, droht das Lied zu ersticken
. ..
doch das Lied des Friedens lebt, hörst Du es auch?